Trotz seines geschäftigen Büros in Cambridge hat mein Vater 2 Tage in der Woche zu Hause gearbeitet. Er wachte immer zur selben Zeit auf, zog seinen Anzug an, band eine Krawatte um, polierte sich die Schuhe und ging über den Hof zu einer umgebauten Scheune, die ihm als Büro diente. Wir Kinder waren es gewohnt, ihn pünktlich um 8 Uhr morgens an den Fenstern vorbeigehen zu sehen, Aktentasche in der Hand. Wir wussten auch, dass er während der Bürostunden nicht gestört werden durfte, und dass Spaß und Spiel warten mussten, bis er um 17:30 Uhr Feierabend machte.

Vor einigen Jahren verließ einer meiner Freunde seinen Finanzposten, um sein eigenes Unternehmen zu gründen. Er begann sein neues Unternehmen mit jeder Menge Kunden und arbeitete im Gästezimmer auf der gegenüberliegende Flurseite seines Schlafzimmers. Selten verließ er seinen Arbeitsraum. Er verbrachte die Tage in Trainingshose. Bald schon erkannte er, dass sein lukratives neues Unternehmen ihn seinen Verstand kosten würde. Er machte den Laden dicht und kehrte ins Büroumfeld zurück, wo es ihm heute noch gut geht.

Heimarbeit ist nicht jedermanns Sache. Vergangene Woche in der FT trug ein Artikel von Lucy Kellaway den Titel „Spare yourself the loneliness of long-term home workers” [„Erspare dir die Einsamkeit von langfristigen Heimarbeitern“]. Lucy bestätigt Marissa Mayer von Yahoo, die die Heimarbeiter von Yahoo nach einigen Jahren im Interesse der Zusammenarbeit und Neuerung zurückholte. Kellaway geht sogar noch einen Schritt weiter mit ihrer Behauptung, dass wir aus 5 weiteren Gründen in ein Büro gehen müssten: „Um uns zu überzeugen, dass unsere Arbeit sinnvoll ist, uns wie Menschen fühlen zu lassen, uns dabei zu helfen zu lernen, uns ein Gefühl der Arbeit zu vermitteln im Gegensatz zum Zuhause – und Klatsch zu erleichtern.“

Ich persönlich mag das Gleichgewicht. Ich liebe das Summen der Büroatmosphäre. Brainstorming-Treffen erfüllen mich mit Energie und Motivierung. Aber ich gehe auch gern in mein Heimbüro, schalte mein Telefon und E-Mail aus, und verbringe äußerst produktive Tage ohne Ablenkung.

Zum Glück ist jeder Mensch anders. Falls Sie es sich jedoch überlegen, von zu Hause aus zu arbeiten, könnte ich Ihnen einige Tipps geben. Einige stammen von meinem Vater (nein, nicht der Anzug!) und andere habe ich während der vergangenen 20 Jahre gesammelt, in denen ich wesentlich mehr von zu Hause als in einem Büroumfeld gearbeitet habe.

Stecken Sie Ihren Heimarbeitsplatz ab Richten Sie einen Ort in Ihrem Haus ein, der nur zum Arbeiten ausgelegt ist. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Schreibtisch sauber und organisiert ist, frei von persönlichen Dingen. Dieser Ort sollte nur mit Arbeit assoziiert werden. Stellen Sie außerdem sicher, dass es minimale Unterbrechungsmöglichkeiten gibt. Falls Sie denselben Computer für die Arbeit und Ihren persönlichen Gebrauch verwenden, sorgen Sie dafür, dass Ihr Desktop frei von persönlichen Ablenkungen ist. Richten Sie ein separates Login für die Arbeit ein, das Ihnen hilft, fokussiert zu bleiben, und entfernen Sie E-Mail-Benachrichtigungen und persönliche Chat-Benachrichtigungen. Sorgen Sie außerdem dafür, dass Ihre nächste Umgebung (Familie, Ehepartner, Kinder, usw.) begreifen, dass Ihr Heimbüro (selbst wenn es nur ein Schreibtisch sein sollte…) respektiert werden muss (d.h. dass es dort still sein muss…), damit Ihr Gedankengang nicht ständig unterbrochen wird.

Halten Sie sich an Ihren Plan 

Trotz großer Flexibilität ist es wichtig, eine Routine einzuhalten. Wenn ich von zu Hause aus arbeite, gehe ich laufen. Nach meinem Lauf weiß ich, was ich schaffen will, bevor ich in die Küche gehe um das Mittagessen zuzubereiten. Nachmittags brauche ich normalerweise eine 15-minütige Pause um neue Kraft zu schöpfen, wobei Meditation mir meistens hilft. Es kann belebend sein, den Schreibtisch für eine strategische Pause oder zwischen zwei Aufgaben zu verlassen. Meditation, ein Spaziergang oder selbst einige Downward Dogs können den nötigen Antrieb für die nächsten Aufgaben auf der Liste geben.
Ich habe Kollegen, die nachmittags eine Weile in einem Coffee Shop arbeiten um ihren Tag aufzulockern, oder die abends ins Fitnessstudio gehen. Es ist wichtig, einen Plan zu haben und ein festes Ziel dessen, was man erreichen möchte. Gleichzeitig ist es notwendig, dass der Arbeitstag einen Anfang und ein Ende hat, damit die Arbeit nicht auf die Abende übergeht und sich mit unserem Privatleben vermischt. Am Tagesende empfinde ich es entspannend, die Hunde kurz Spazieren zu führen. Ein flotter Spaziergang an der frischen Luft hilft mir, von der Arbeit abzuschalten und abends zu meiner Familie und den Kindern zurückzukehren.
Egal, welche Routine für Sie funktioniert, Routine ist die beste Art, das Parkinsonsche Gesetz zu bekämpfen, und sich leistungsfähiger zu fühlen, da man die Aufgaben in einer bestimmten Zeit während des Tages erledigt.

Sorgen Sie dafür, dass Sie täglich Kontakt mit echten, lebenden Menschen aufnehmen Skype und FaceTime ist es einfacher, persönlichen Kontakt mit anderen aufzunehmen. Dennoch ist nichts so gut, wie eine echte Begegnung. Persönliche Gespräche am Computer zählen nicht als Teil der gesellschaftlichen Begegnungen. Wenn man von zu Hause aus arbeitet, ist es wichtig, täglich rauszukommen und echte, lebende Menschen zu sehen (vollständig – mit Beinen). Falls Ihre Situation daher so ist, dass Sie allein leben und von zu Hause aus arbeiten, werden Sie größere Anstrengungen unternehmen müssen, um rauszukommen. Schließen Sie sich einem Club an, gehen Sie ins Fitnessstudio, oder besuchen Sie eine Vorlesung. Interaktion auf persönlicher, leibhaftiger Ebene ist wichtig, sich wie ein Mensch zu fühlen.

Erwägen Sie, sich neue herausfordernde Ziele zu stecken Selbständig von zu Hause aus zu arbeiten bedeutet, dass Ihnen wahrscheinlich nicht sehr viel auf die Schulter geklopft wird. Manchmal kommt es einem vor, als würde man Wasser treten, ohne persönliches Feedback zu bekommen. Besonders, wenn Sie für sich selbst arbeiten, ist es wichtig, etwas anderes mit einer unterschiedlichen Dynamik in Ihre Leben zu haben. Versuchen Sie, aus Ihrer Komfortzone auszubrechen und eine neue Sportart oder eine kreative Tätigkeit auszuprobieren. Etwas völlig Neues zu beginnen, gibt Ihnen eine neue Perspektive, und ein echtes Erfolgsgefühl, wenn Sie gewisse Meilensteine erreichen. Wenn Sie sich dieser neuen Beschäftigung widmen, werden Sie Erfolgs- und Fortschrittsgefühle erleben, die ihr Arbeitsleben unweigerlich beeinflussen und eine Lücke füllen, wo es eventuell an professionellem Feedback mangelt.

Zusammenfassend hat der Artikel von Kellaway in der FT nicht ganz Unrecht. Ich sehe ein, dass Kellaways fünf Gründe für die Arbeit in einem Büro bei vielen Menschen zutreffen. Heimarbeit hat ihre Vor- und Nachteile, und ich musste meine Routine über die Jahre vielfach verbessern, um gestärkt und angeregt zu bleiben, ohne immer bei meinem Team zu sitzen. Persönlich haben die Vorteile eines Heimbüros immer gesiegt, und ich habe keine Bedenken über meinen Zweck, mich wie ein Mensch zu fühlen, persönliche Bereicherung und mein Privat- und Arbeitsleben klar voneinander zu trennen. In Bezug auf das Erleichtern von Klatsch, neige ich dazu, das meiner Frau zu überlassen.
Haben Sie Gedanken oder Anregungen, Heimarbeit zu einer brauchbaren oder selbst wünschenswerten Option zu machen? Ich würde gern Ihre Gedanken dazu erfahren unter richard@avirtual.co.uk

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